Meine Kolumne "Philosophische Sentenz des Monats" auf der kommerziellen Website "Geschenke aus den Museen der Welt".
Philosophische Sentenzen von 2019
- in Reserve -


Helmut Hille
Dem Leben auf der Spur
2019
Nachdem die unbelebte Natur durch Physik und Chemie weitgehend verstanden wird, wenn wir hier von den Irritierungen durch die Relativitätstheorie absehen, wendet sich die Wissenschaft verstärkt der Frage nach der Entstehung des Lebens zu, dass so ganz anders zu sein scheint. Aber so wie die Physik dem Grund-Satz von der Erhaltung der Energie folgen muss, so muss die Biologie dem Grund-Satz von der Erhaltung der Erbinformation folgen, als einer übergeordneten Form von Energie, der alles Lebendige unterliegt. Es geht also letztlich nicht um den Erhalt des einzelnen Lebewesens, auch wenn dessen zeitlich eingegrenzte Existenz notwendig zur Weitergabe der Erbinformation ist, sondern hier um deren Erhalt, will man die Natur verstehen.

Die Forscher wollen nun vermehrt wissen, wie und wo das Leben entstanden sein könnte. Sie fragen sich, welche chemischen Bausteine müssen vorhanden sein, um eine biologische Zelle zu bilden, wo sind zuverlässige energetische Quellen, die eine Synthese bewirken können, welche Umgebung wird gebraucht, damit empfindliche komplexe Zellen Bestand haben. Sie mustern dazu nicht nur Orte auf der Erde und am Meeresgrund durch, sondern auch Objekte des Weltalls wie Kometen und Staubscheiben um werdende Sonnen. Entscheidend ist, dass eine Zelle entsteht, die sich selbst reproduzieren kann. Das wäre der entscheidende Schritt für die Entstehung des Lebens. Ich zweifle aber, dass er jemals vollständig nachvollzogen und verstanden werden kann, denn alle Anfänge liegen unvermeidlich im Dunklen, weil etwas Neues entsteht, was man nicht voraussagen kann. Man kann es nur akzeptieren.

So war es sicher einerseits Zufall, dass eine sich selbst vermehrende Zelle entstand, andererseits hat die kosmische Materie die vom Urknall verliehene Neigung, zueinander hin zu streben, weshalb es im Weltall Himmelskörper jeglicher Größe und Form gibt. So ist auch eine Zelle ein Körper unter dieser Bedingung, jedoch mit ganz neuen Eigenschaften. Alle biologischen Systeme sind Mangelwesen, wie Heidegger einmal den Menschen nannte. Alle wollen ja sich nicht nur sich erhalten, sondern wollen auch wachsen und sich vermehren. So sind sie auf Energieaufnahme angewiesen. Meine Definition von Leben lautet deshalb: Leben ist Materie mit der Fähigkeit zur Anverwandlung fremder Strukturen in die eigene, mit dem Ziel der Selbstreproduktion. Das ist für mich der zentrale Befund, was Leben ausmacht. Da gibt es nichts zu beschönigen. Und eines Tages hat sich das Leben auch noch aus seiner genetischen Gefangenschaft mit Hilfe der Zweigeschlechtlichkeit befreit, wodurch die Evolution einen sich selbst verstärkenden Schwung bekam.

Während rein materielle Strukturen bei fehlender Fremdeinwirkung bleiben wie sie sind, ansonsten eher der Erosion unterliegen, hat Lebendiges die Tendenz sich auf Kosten seiner Umgebung auszubreiten. Dabei kann es wieder zum Ziel anderer werden, was in der Natur für ein gewisses Gleichgewicht sorgen kann. So können Fleischfresser zum Schützer von Pflanzen und deren Biotope werden. Da aber jeder biologische Körper bereits selbst zum Biotop von Bakterien, Viren und Parasiten werden kann, vermag er nur zu überleben, wenn er gegen sie immun ist. Auf diese Weise hat sich zum biologischen System ein Immunsystem dazu entwickelt, was nicht wichtig genug genommen werden kann. Dass es eine gewisse Selbstständigkeit besitzt erkennt man an den Autoimmunerkrankungen wie Schuppenflechte, Rheuma, Morbus Basedow usw., wenn es beim Menschen z.B. durch dessen Hygiene unterfordert ist. Zur Immunisierung gehört auch die ständige Neuentwicklung von Lebewesen und Lebensformen bis hin zur Individualität des Einzelnen.

Verstehen wir ganz nüchtern, was das Leben ausmacht und was seine Folgen sind, gibt es die Konsequenzen für unser Dasein und unser Handeln zu bedenken. Die zügellose Vermehrung der Menschheit bei begrenzten Ressourcen wird in einem Desaster enden, wenn wir nicht früh genug von unserer Vernunft Gebrauch machen. Dafür haben wir sie ja!

Zum Weiterlesen
WEGE DES DENKENS
III. Biologie, Evolution und Ethik
(III/2) Die Genese des Lebens
http://www.helmut-hille.de/page25.html


Helmut Hille
Expedition in das Innere des Verstandes
2019

Selbst Naturwissenschaftler haben oft das Problem zu unterscheiden, was real und was rein geistig existiert, weil sie sich zu wenig oder gar nicht für die Rolle des Beobachters interessieren. Manche leugnen in ihrem materialistischen Weltbild sogar gleich, dass es eine solche Rolle überhaupt gibt, weshalb Aufklärung Not tut. Aufklärung heute ist die Aufklärung der Beobachterrolle. Ohne diese Aufklärung bleibt alles Wissen vorläufig.

Ein Freund will in seiner monistischen 1:1-Weltsicht allen immer klar machen, dass Sehnerv-Erregung und Seh-Empfindung ein und dasselbe wären - für mich ein Guckkastenmodell des Sehens. Doch wir haben nicht Sehempfindungen sondern Helligkeitsempfindungen und das, was wir sehen, ist die auf unsere Biographie gestützte plausible Interpretation der Lichtreize durch das Gehirn - die größtmögliche Referenz, die jeder hat. Vereinfacht kann man sagen: man sieht nur was man kennt. Beim Sehen betrifft der zur Interpretation der Lichtreize erforderliche innere Monolog 80 bis 90% seiner Tätigkeit (Wolf Singer, Hirnforscher). Wem als blind Geborener eines Tages das Augenlicht geschenkt wird, hat dann zwar Helligkeitsempfindungen, doch das Sehen, als ein Erkennen des Gesehenen, muss er erst lernen - wenn er es denn schafft, wenn nicht die während der Kindheit dafür offenen Nervenbahnen infolge Nichtgebrauchs eliminiert wurden. Ein Betroffener, der darüber sprach, wünschte sich, wieder blind zu sein.

Das ist nur ein Beispiel für die Rolle des Beobachters, die nicht überschätzt werden kann. Und sie geht noch weiter. Da sind zum Beispiel Relationen (Beziehungen), die ein Beobachter unwillkürlich herstellt, um besser zu verstehen, was er wahrnimmt. Ein einfaches Beispiel ist die Aussage "Franz läuft schneller als Fritz". Das "schneller als" scheint dabei nur im Kopf des Beobachters auf, sobald er Franz und Fritz beim Laufen miteinander vergleicht. Man kann sagen, der Mensch weiß von Natur aus nichts, sondern er gewinnt sein Wissen durch die Fähigkeit des Vergleichens. Ebenso wissen die unbelebten Dinge nichts und können mangels mentaler Fähigkeiten aber auch kein Wissen gewinnen. Es ist also immer falsch, für ein Naturgeschehen Relationen verantwortlich zu sehen. Leblose Gegenstände verharren einfach nur in ihrem Zustand, solange keine Kraft auf sie einwirkt. Genau das besagt Newtons 1. Axiom, was Newton tiefes Verständnis der physikalischen Natur beweist. Eine Theorie der Physik dagegen, in der Zustände von Relationen abhängig wären, kann also niemals eine Aussage zur Natur sein, sondern gehört zu dem Bereich, wie wir geistig mit ihr umgehen.

Zu diesem geistigen Umgang gehört die Zuordnung von Objekten zu Richtungen, Orten und mit ihnen verbundene Geschwindigkeiten. Doch die Objekte selbst wissen nichts von ihnen. Sie wissen nichts von oben und unten, links und rechts, Nord und Süd und auch nichts von langsamer und schneller und damit auch nichts vom ihrem Tempo als Maß der Ortsveränderung, das eben die Verbindung mit Orten voraussetzt, die ein Beobachter dazu gibt. Ein objektiver Zustand, also ein Zustand den das Objekt selber hat und der sein Verhalten bestimmt, hängt daher nicht von solchen Zuordnungen des Betrachters ab, was verstanden sein muss, will man zutreffende Vorhersagen treffen. Zum Beispiel kann eine Geschwindigkeit niemals Ursache der Eigenschaft einer Sache sein, da ja die Geschwindigkeit immer nur im Kopf der vergleichenden Person existiert.

Die unbelebte Natur kennt auch keine Ziele. Diese haben immer nur lebendige Wesen, deren Ziel es ist, zu überleben und sich fortzupflanzen. Auch der Mensch selbst ist kein Ziel der Natur, weder der Evolution, noch gar des Urknalls. Er ist nur passiert und nun mal da. Und wenn er sich nicht in seiner Zahl und seinen Ansprüchen den begrenzten Ressourcen der Erde anpasst, wird er bald auch wieder verschwinden wie unzählige Arten vor ihm. Das ist dann wieder Naturgesetz. Biologisches ist zwangsläufig expansiv, was ebenso zwangsläufig zu Konflikten führt, wie sie zum Beispiel beim Menschen durch Völkerwanderungen und Flüchtlingsströme ausgelöst werden. Damit wir als Menschheit nicht durch ungezügelte Vermehrung blind in eine Katastrophe laufen, gilt es die Ursachen des Problems zu bedenken. Seien wir also verständige Wesen.

Zum Weiterlesen
WEGE DES DENKENS
II. Das Verhältnis von Denken und Sein
(II/7a) Was ist und wie entsteht Information? oder Die Rolle des Beobachters
http://www.helmut-hille.de/page22.html


Sentenzen 2019   (sofern die Kolumne weiterhin nicht zur Verfügung steht, können sich weitere Sentenzen von 2018 nach 2019 verschieben)
    Dem Leben auf der Spur
    Expedition in das Innere des Verstandes


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