Meine Kolumne "Philosophische Sentenz des Monats" auf der kommerziellen Website "Geschenke aus den Museen der Welt".
Philosophische Sentenzen von 2015


Helmut Hille
Geheimnisse des Pendels
15.01.2015

In traditionsbewussten Haushalten findet man heute noch Pendeluhren, zumeist in schönen als Zimmerschmuck dienenden Gehäusen. Die Verwendung des Pendels als Taktgeber von Uhren soll auf Galilei (1564 – 1642) zurückgehen, der dringend ein zuverlässiges Maß zur Zeitbestimmung suchte. Der Legende nach soll er im Dom zu Pisa ein durch das Anzünden in Schwingung geratenes Kirchenlicht beobachtet haben, dessen Schwingungsdauer offensichtlich unabhängig von der Größe des Schwingungsausschlags war. Das war das erste Geheimnis des Pendels, das später durch Mathematiker gelöst wurde. Durch Verwendung eines Pendels musste sich Galilei zur Bestimmung der Fallgeschwindigkeit von Körpern nicht mehr mit dem Absingen eines Liedes behelfen. Die Zeiteinheit wurde ihm nun durch die immer gleiche Schwingungsdauer eines Pendels gegeben.

Lt. DUDEN ist ein Pendel ein "um eine Achse od. einen Punkt frei schwingender Körper". Wie festgestellt wurde, wird die Schwingungsdauer nur durch die Pendellänge bestimmt und durch die vor Ort herrschenden Schwerkraft, die das Pendel antreibt, nicht jedoch durch das Gewicht des pendelnden Körpers. Der Antrieb wird hervorgerufen durch das Anheben des Pendels, also durch Einsatz einer Kraft. Hierdurch gewinnt es die Energie der Lage (im Schwerefeld), die bei seinem Fallen zur Energie der Bewegung wird. Nach dem Durchlaufen des untersten Punktes der Pendelbahn wird die Lageenergie wieder zurück gewonnen, was den Satz von der Energieerhaltung entspricht. Sofern keine Reibung z.B. durch Luft das Pendel bremst, könnte es ewig zwischen den beiden Energiezuständen mit gleicher Dauer schwingen. Uhren sind dabei ein System, dass die Zahl der Schwingungen registriert und anzeigt und dadurch dem Benutzer Zeitpunkte zur Verfügung stellt. Auch in allen modernen Uhren wird uns das Maß der Dauer, Zeit genannt, durch pendelnde Materie gegeben. Nirgends aber wird dabei von Uhren "die Zeit gemessen", denn Messen ist ein kognitiver Akt und die Zeit ein von Menschen gesetztes rein geistiges Maß, das wie jedes Maß absolut gilt, soll messen Sinn machen.

Doch ein Pendel kann noch mehr anzeigen. Der französische Physiker Léon Foucault ließ 1851 zuerst in der Pariser Sternwarte, dann im Panthéon ein langes Pendel mit einem schweren Körper frei schwingen, der durch eine Spitze Spuren in einem Sandbett hinterließ. Hierdurch konnte er einen Nachweis der Erdrotation (in Abhängigkeit vom Breitengrad) liefern. Unter einem über den Polen aufgehängten Pendel würde sich die Erde im Verlauf eines Tages um 360° drehen. Verantwortlich dafür ist die Trägheit des Pendelkörpers, wodurch die Pendelebene ihre Lage im Raum beibehält. Die einfachste Annahme ist dabei, dass die Materie das von sich aus tut (Descartes und Newton), während Deterministen wie einst die Gottessucher immer etwas hinter den Dingen suchen, heutzutage im CERN bei Genf das Higgsfeld, dass die Körper im Raum festhalten würde – wie ich denke, eine total überflüssige Spekulation, welche den Dingen und letztlich auch den Menschen ihre Eigenmächtigkeit abspricht. In einem demokratischen Zeitalter ist das ein gefährlicher Anachronismus. - Und das die Erdrotation anzeigende Pendel widerlegt auch die bei Max Born in "Die Relativitätstheorie Einsteins" zu findende Aussage, es wäre beliebig (weil relativ) ob man annimmt, dass sich die Erde um ihre Achse oder der Kosmos sich um die Erde dreht, obgleich bereits die äußeren Planeten des Sonnensystems dabei mit mehr als Lichtgeschwindigkeit unterwegs sein müssten, was Einstein doch gar nicht schätzte.

Und Pendel können noch mehr. Das Doppelpendel ist ein beliebtes Modell zur Demonstration von chaotischen Prozessen. An den Arm eines Pendels wird ein weiteres Pendel gehängt. Diese einfache Konstruktion erzeugt ein unvorhersehbares Bewegungsmuster. Störungen oder geringe Änderungen in den Anfangsbedingungen verändern in nicht vorhersehbarer Weise immer wieder die Schwingungen. Hier wird Menschen, die in ihrem Allmachtswahn glauben, dass alles berechenbar wäre, ihre Grenzen aufgezeigt, so wie das schon Heisenbergs Unschärferelation tut, die eben darum nicht nur Freunde hat. So widerlegen simple Pendel durch ihre genaue Beachtung falsche Überzeugungen, die oft auf naive Wunschvorstellungen zurückgehen. Auch gerade auf die von Physikern.

Zum Weiterlesen:
ZEIT UND SEIN
Erhellungen von Helmut Hille
Tagungsbeitrag zu (1) DPG 2005
Ist die Zeit messbar?
http://www.helmut-hille-philosophie.de/t-zeit.html


Helmut Hille
Parmenides 2014 im TV - "Elea - eine atemberaubende Entdeckung"
15.02.2015
Man denkt, man ist mit dem Parmenidesthema ziemlich allein (s. zum besseren Verständnis meine Sentenz vom November 2011 "Parmenides - Dialog über Jahrtausende" und von Februar 2006 "Das Ewig-Weibliche und die Eröffnung der olympischen Winterspiele in Turin"). Nur gelegentlich meldet sich auf Grund meiner Interpretation im Netz ein beleidigter Altphilologe, der glaubt, dass er als Philologe die Deutungshoheit über den philosophischen Text des Parmenides hätte, obwohl er sonst keine eigenständige philosophische Veröffentlichung vorweisen kann, was im Internet leicht zu recherchieren ist (z.B. fand ich unter "Parmenides im Klartext" bei Google unter den ersten zehn Fundstellen 7 von mir). Man sitzt also entspannt vor dem Fernseher, doch was auf einmal kommt da? Auf 3sat im Herbst 2014 (2x) ein Streifzug durch antike Stätten (von mir aufgezeichnet, daher ist mir eine wörtliche Wiedergabe möglich), so auch durch das von Archäologen wieder entdeckte und von ihnen "Stein für Stein, Scherbe für Scherbe" ausgegrabene antike Elea (röm. "Velea") in Unteritalien, "kaum 50 km südlich von Pästum", das im Film "eine atemberaubende Entdeckung" genannt wird. Der Sprecher: "Bis dahin schlief es unerkannt unter den Büschen und Ruinen späterer Bauten". Und weiter: "Dieser Ort, ohne dass man wusste wo er sich befand, war den Philosophen aller Jahrhunderte ein großer Begriff: Elea - hier lehrte Parmenides. Und was er lehrte beschäftigt die Philosophie bis heute." Und es fragte der Berichterstatter, Parmenides Themen aufgreifend: "Was können Menschen wissen? Was ist Sein? Ist Sein endlich? Hat es einen Anfang? Können Menschen etwas über das Nichtsein wissen? Was überhaupt können Menschen wissen?" - Und dann ein neues Bild, ein massives Tor: "Dieses Tor (der alten Stadtmauer), heute 'Ponte Rosa' genannt, ist das imposanteste erhaltene Bauwerk Eleas. Es stammt aus dem 4. Jahrhundert (vor der Zeitrechnung), ist also etwas jünger als Parmenides. Dennoch denkt man unweigerlich an den Philosophen. Das Lehrgedicht, aus dem wir seine Philosophie kennen, beginnt mit der Fahrt durch ein Tor (Text im Film gegenüber dem Original verkürzt): 'Dort ist das Tor der Wege zwischen Tag und Nacht. Dahinter erwartete die Göttin Dike den Denker. Und freundlich empfing mich die Göttin, ergriff meine Rechte und redete mich an und sagte das Folgende: Jüngling, Gefährte unsterblicher Lenkerinnen, die mit den Pferden die dich fahren zu unserem Haus gelangt bist, heil dir, denn kein schlechtes Geschick sandte dich auf diesen Weg.'" - Älter als eine zuvor gezeigte Festungsruine aus dem 14. Jahrhunderts "aber schöner" steht auf dem "vorspringenden Felsen" vor der ehemaligen Küste "ein von Mönchen im Hochmittelalter erbautes kleines romanisches Kirchlein", ordentlich hergerichtet. Und dann sah man unvermittelt dort die Büste des Philosophen. "Diese Büste des Parmenides wurde hier in Elea ausgegraben. Sie stammt aus späterer römischer Zeit. Die Römer wussten wer er war und hielten ihn in Ehren. Die Archäologen haben sie (auf einer Stele) ausgerechnet in die Apsis der kleinen kämpferischen Kirche gestellt, dorthin, wo einst das Kreuz stand. Diesen Kampf hat das Kirchlein wohl verloren. Alles steht, nichts vergeht." - Dieser hier nur in Teilen vorgestellte Film war für mich so überraschend wie beeindruckend, dass ich tief berührt war über plötzlich soviel Gegenwärtigkeit von Parmenides und seiner Stadt und dem verständnisvollen Kommentar, weshalb ich es unbedingt niederschreiben wollte, um damit meine Datei im Internet "Parmenides im Klartext" zu ergänzen, bei dem jetzt auch seine Büste zu sehen ist. Mein Text, auf den ich besonders stolz bin, entschlüsselt erstmals die allegorische Einleitung seines Lehrgedichts. Warum z.B. begrüßte ihn die Göttin mit "Jüngling"? (s. oben) Weil er durch ihren Mund Zeuge zeitloser Wahrheiten wird, die nicht altern.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
II. Das Verhältnis zwischen Denken und Sein
(II/5a) Parmenides im Klartext
http://www.helmut-hille.de/parmeni.html


Helmut Hille
Was gibt es daran nicht zu verstehen?
15.03.2015
Neuerdings mache ich immer wieder mal kurze klare Aussagen und frage dann den Leser meiner Seiten oder meiner E-Mails: "Was gibt es daran nicht zu verstehen?" Zum Beispiel auf dem Anhang der Startseite von WEGE DES DENKENS, den "Kurzaussagen zu meinen Themen":
"Die Zeit keine Sache ist, die draußen irgendwo abläuft. Was da abläuft sind natürliche Prozesse, deren Dauer wir anhand unseres Maßstabs Zeit messen können. Gerade nur dadurch, dass der Maßstab absolut gilt, können wir zuverlässig vom Tempo der Prozesse wissen! Was gibt es daran nicht zu verstehen???"

Maßstäbe sind vom Menschen gesetzte Messgrößen mathematischer Art, die von keinen weiteren Bedingungen abhängen, da sie sonst nicht zuverlässig wären. Daher heißt auf WEGE DES DENKENS in Datei I/A6 "Messen als Erkenntnisakt":
"Niemand kann ohne konstante Maßeinheiten und Messmittel mit Sicherheit etwas von der Konstanz einer Geschwindigkeit wissen! Was gibt es daran nicht zu verstehen???"

Es geht also eigentlich immer um Selbstverständlichkeiten, die keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Denn wer schon Selbstverständliches nicht versteht, hat keinen Verstand bzw. dieser wird ihm von Vor-Urteilen blockiert und er versteht letztlich gar nichts. Mit Selbstverständlichen beginnend hoffe ich, mich verständigen Menschen verständlich zu machen.
So auch hier:

Am Ende der Buchsprechung von Habermas' Buch "Wahrheit und Rechtfertigung" wo es im Buch heißt: "daß wir mit der Wahrheit von Aussagen einen unbedingten, über alle verfügbaren Evidenzen hinausweisenden Anspruch verbinden", der also nicht auf absolut geltende Wahrheiten verzichten will, weil er glaubt, als Mensch darauf einen "Anspruch" zu haben, zog ich das Resümee:
"Von einem Vernunftwesen mehr als vernünftige Wahrheiten zu erwarten ist unvernünftig! Lieber Herr Habermas, wo Sie doch immer so vernünftig sein wollen: Was gibt es daran nicht zu verstehen???"

Zur Suche nach dem Higgsteilchen am LHC in Genf, das angeblich den übrigen Teilchen ihre "Masse" verleihen würde, schrieb ich auf Datei I/B16 in WEGE DES DENKENS "Ausreden ohne Ende?":
"Die Masse ist ein Maß der Trägheit, mit der wir den Widerstand eines Körpers messen, wenn auf ihn eingedrückt wird, also eine vom Menschen gesetzte geistige Messgröße, in Normen festgelegt. Aus dem Widerstand eines Körpers schließen wir dann auf die Menge seiner Materie. Was ist daran falsch bzw. was gibt es daran nicht zu verstehen???"

In der E-Mail vom 08.01.2015 an Prof. Lesch fragte ich ihn zum gleichen Thema:
"Warum gilt Newtons Dynamik bis heute und wird immer gelten? Weil Newton mit Hilfe seiner Mathematik die subjektive Größe v (die Geschwindigkeit) eliminiert und zur Berechnung nur die Größe Geschwindigkeitsdifferenz benutzt, als Folge einer objektiv einwirkenden Kraft. Was gibt es daran nicht zu verstehen???"

Solche Selbstverständlichkeiten zähle ich zu den Voraus-Setzungen jeder sinnvollen physikalischen Forschung, ohne die wir gar nicht verstehen können, war wir da tun - weshalb sie aber auch nicht ihr Gegenstand sein können, will man nicht den Boden unter den Füßen verlieren.

Aus "Gruß an Sokrates" auf ZEIT UND SEIN:
    Ohne Setzungen gibt es keine Gegensätze,
    ohne gültige Maßstäbe gibt es keine gültigen Maße,
    ohne vernünftige Urteilskriterien gibt es keine vernünftigen Urteile.
    Urteilskriterien sind weder wahr noch unwahr
    sondern eben vernünftig,
    nämlich durch sich selbst verständlich.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
I. Rationale Grundlagen der Physik
(I/A7) "Grundlage einer Theorie des Messens"
http://www.helmut-hille.de/grundlag.html


Helmut Hille
Das Universum
15.04.2015
Das Universum nach Einstein
heißt ein Artikel im "Physik Journal" vom März 2015 anlässlich 100 Jahre Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie (alle Zitate aus dem Artikel). In dem Aufsatz geht es um seine "kosmologische Konstante", die als "Antigravitation" dafür sorgen sollte, dass das "Universum" von konstanter Größe bleibt. Bereits Newton sorgte sich um ein stabiles Universum, das sich aus seiner Gravitationsgleichung nicht ergab. Er beruhigte sich jedoch damit, dass im Notfall Gott eingreifen würde, um ein Auseinanderfallen der Welt zu verhindern. Einstein wollte dies mit seiner Antigravitation erreichen. "Zu seiner großen Überraschung stieß Einstein mit seinem Ansatz auf eine grundsätzliche Schwierigkeit, die bereits frühere Generationen im Rahmen der Newtonschen Theorie erkannt hatten: Seine Feldgleichungen ließen kein statisches Universum zu; entweder musste dieses zusammenfallen oder expandieren." Dazu passt, dass bereits "ab 1912 der amerikanische Astronom Vesto Slipher die Rotverschiebung von Galaxien beobachtete" und damit eine wichtige Grundlage für die Vorstellung eines expandierenden Universums legte. Die Rotverschiebung des Lichtes heißt als Dopplereffekt, dass sich die Licht aussendende Quelle und der Beobachter voneinander entfernen, was mit einer Verlängerung der Lichtwellen in das rote Spektrum einhergeht. Der Autor des Artikels, Prof. Norbert Straumann, fragt: "Weshalb war Einstein so darauf versessen, ein statisches Modell zu konstruieren?" Meine Antwort: für Autisten haben unverstandene Veränderungen etwas Bedrohliches. Obwohl dafür kein sachlicher Anlass bestand, war jedoch der Glaube an ein statisches Universum zu seiner Zeit bis zum Auftreten des belgischen Priesters und Physikprofessors Abbé Georges Lemaître 1927 auch allgemein. Lemaître aber folgerte aus der Expansion den "Urknall" als Schöpfungsakt Gottes, was der katholischen Kirche sehr gefiel. Kosmologen kommen einfach nicht ohne Gott aus.

In "neuester Zeit" hat man zusätzlich "die beschleunigte Expansion des Universums entdeckt", die Einstein "deutlich abgelehnt" hat. Aufgrund der nunmehr gesicherten Rotverschiebung von Galaxienlicht verwarf Einstein jedoch den kosmologischen Term "und blieb dabei für den Rest seines Lebens." Einsteinfreunde dagegen "haben die Diskussion um seine kosmologische Konstante erneut entfacht, die sich zum Problem der "Dunklen Energie" (als Ursache der Beschleunigung) ausgeweitet hat", um Einstein doch noch gerechtfertigt aussehen zu lassen, obwohl er mit ihr ein statisches Universum plausibel machen wollte. Aber eine solche Differenz stört tapfere Einsteinfreunde nicht, wenn evtl. wenigstens sein Begriff gerettet werden kann, obwohl er ihn "meine größte Eselei" genannt hatte.

Das Universum nach Hille
Mit der Einsicht, dass die Welt aus einem Big Bang hervorgegangen sein muss, haben wir in Verbindung mit Newtons Gravitationsgleichung und dem Erhaltungssatz der Energie als rationale Grundlage dann alle Elemente für die Dynamik des von uns beobachtbaren Kosmos in der Hand, der im Universum vermutlich einer von vielen ist, hervorgegangen aus einer zusammenströmenden Materie. Der im Deutschen verwendete Begriff "Urknall" wäre demnach nur der Urknall unseres Kosmos, aus dem ein durch ihn geordnetes neues Ganzes hervorging, während das Universum selbst zeit- und grenzenlos ist.

Beim Big Bang wurden aller betroffenen Materie zwei Impulse verliehen:
1. die kosmische Fliehkraft vom Ort des Big Bang weg,
2. die gegenteilige Anziehungskraft aller Materie auf alle andere betroffene infolge ihrer Verschränkung durch den Big Bang, weshalb sie ständig zueinander hin strebt.
Der von uns zu beobachtende Kosmos ist das Ergebnis dieser beiden widerstreitenden Urkräfte und ihr getreues Abbild und so der größtmögliche Beweis, den es für eine These je geben kann. So wie die Schwerkraft aller kosmischen Materie nicht verlierbar ist, so bleibt auch ihr Fliehimpuls im Großen erhalten, während Galaxien und Planetensysteme beim gemeinsam "fliehen" durch das Gleichgewicht beider Urkräfte zusammengehalten werden.

Die Schwerewirkung aller Teile aufeinander war sofort nach dem Big Bang am größten, aber eben nicht groß genug, um sie zusammenzuhalten, während mit zunehmender Entfernung untereinander sie sich nach Newtons Gleichung mit dem Quadrat des Abstands verdünnt. Das heißt, die kosmische Fliehkraft setzt sich mehr und mehr durch, so dass wir nicht nur einen expandierenden Kosmos haben, sondern einen, der zwangsweise immer schneller expandiert. Hinzu kommt, dass die Reichweite des Schwerefeldes eines Objekts durch das Plancksche Wirkungsquantum begrenzt ist, d.h. ein Feld kann sich nicht beliebig verdünnen, so dass auch dadurch die Beschleunigung zunimmt. Die Annahme einer Dunklen Energie zur Erklärung der Expansion erübrigt sich! So haben wir es mit einem Weltbild von großer Einfachheit, Klarheit und Schönheit zu tun, das darin nicht übertroffen werden kann. Entscheidend für meine Sicht des Universums war die Unterscheidung von Kosmos und Universum und die Einsicht, dass die Schwerkraft Folge der Verschränkung aller betroffenen Materie durch den "Urknall" ist. Beides habe ich noch bei keinem anderen Autor gelesen.

Zum Weiterlesen: Die Sentenzen von 2009 "Gab es einen Urknall?" vom Januar
und "Tanz der verschränkten Quanten" vom Juli 2009
ausführlicher auf ZEIT UND SEIN den DPG-Tagungsbeitrag von 2009:
(7) Kosmologie ohne Scheuklappen
http://www.helmut-hille-philosophie.de/anhang7.html


Helmut Hille
Eine Weltraumfahrt, die diesen Namen verdient
15.05.2015
Eine Rakete mit genügend langer Brenndauer, z.B. von Ionen angetrieben, kann, einmal auf die Umlaufbahn gebracht, selbst bei geringer Beschleunigung im Laufe der Zeit jede Geschwindigkeit erreichen. Auch eine vielfache Lichtgeschwindigkeit, weil die Geschwindigkeit nicht für die Rakete sondern nur für den Beobachter existiert, indem er eine Beziehung zwischen der Rakete und einem von ihm als solchen angesehenen Nullpunkt herstellt. Der heutige Mensch ist für die Weltraumfahrt geistig nicht gerüstet, weil er jede Aktion und Geschwindigkeit nur in Bezug auf sich bzw. die Erde zu denken vermag. Das ist ein trauriges Beispiel dafür, wie schwer es Menschen fällt, über sich hinaus zu denken und losgelöst von ihrer irdischen Situation zu argumentieren (s. die Sentenz vom Juli 2004).

Doch ohne einen vom Beobachter gewählten Bezug gibt es nichts, was man eine "Geschwindigkeit" nennen könnte! Sie ist keine reale sondern nur eine potentielle Größe, die nur in seinem Kopf existiert. Das Tempo einer Rakete ist eben nicht ihr sondern sein Tempo: es scheint nur im Verhältnis zu dem vom Beobachter benutzten Bezugssystem auf! Dieses Bezugssystem ist oft unbewusst er selbst, denn der Mensch ist sich das Maß aller Dinge (Protagoras). Wenn wir von der allgegenwärtigen Gravitation einmal absehen: Objektiv existiert für die Rakete im All nur das Gesetz der Wechselwirkung zwischen sich und ihrem Strahl! Sie weiß nichts von irgendwelchen Bezügen, die ein Beobachter herstellt. Was gibt es daran nicht zu verstehen? Geschwindigkeitsgrenzen eines Motors, z.B. seiner Kolben im Brennraum, werden in einem Auto umgangen, indem man den Antrieb einfach mitnimmt und in diesem Fall auch noch mit einem Getriebe zur höheren Drehzahl der Kurbelwelle übersetzt. Ebenso verhält es sich prinzipiell mit dem Motor von Raketen und eines ggf. von ihnen angetriebenen Raumschiffs.

Trotzdem wäre es nicht möglich, mit den heutigen Raketen zu anderen Sternen zu reisen. Da muss noch ein ganz anderer Antrieb her. 1995 zeigte das Bayerische Fernsehen im 3. Programm im Rahmen seiner noch existierenden Sendereihe SPACE NIGHT wiederholt einen Film von Klaus Simmering über den Tunneleffekt, bei dem in verschiedenen Laboren der Welt Mikrowellen, Laserstrahlen oder Photonen einen Tunnel mit bis zur vierfachen Lichtgeschwindigkeit passierten, wobei Physiker nicht ausschlossen, dass ein Tunnel auch zeitlos passiert werden kann. Ein Tunnel ist dabei eine verengte Röhre, durch die bekanntermaßen z.B. Wasser, Luft oder ein anderes Medium zum schnelleren Fließen gebracht werden kann. Das ist die uns bekannte Physik. In der Quantenphysik jedoch gibt es noch andere, ganzheitliche Effekte, wie die gezeigten Experimente belegen. Mein Vorschlag wäre daher, das antreibende Medium zu tunneln. Mit einem solchen Antrieb wäre dann eine Weltraumfahrt möglich, die diesen Namen verdient. Mit ihr werden Reise-Jahrzehnte zu Jahren und Monaten.

Heute wird ein erdnahes Kreisen bemannter Objekte, wie man sie in den Abend- und Morgenstunden oft vom Boden aus mit bloßem Auge verfolgen kann, wie bei der ISS, zur Rechtfertigung der enormen Kosten solch politischer Prestigeobjekte uns von den Politikern gern als "Weltraumfahrt" und "Flug zu den Sternen" verkauft. Doch der Weltraum beginnt erst jenseits des Mondes, gehört der Mond doch noch zum System Erde, und die Sterne sind Lichtjahre weg. Nicht nur die Perspektiven des Tunneleffekts, auch die der Weltraumfahrt und der Kosmologie leiden unter der sachlich ungerechtfertigten Vorstellung eines ehernen Tempolimits, das sich auf alles gelegt hat und das jeden vernünftigen und fortschrittlichen Gedanken im Keime erstickt. Simmerings Film zeigte dazu, wie konservative Physiker und Mathematiker die Existenz des überlichtschnellen Tunnelns mit allen Mitteln und wenig redlich zu bestreiten versuchten, um nicht umdenken zu müssen. Und das im Namen der Wissenschaft, die wahrhaft Besseres verdient hat.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
I. Rationale Grundlagen der Physik
I/C. Texte zur Kosmologie und Raumfahrt
(I/C4) Der Tunneleffekt und eine Weltraumfahrt, die diesen Namen verdient
http://www.helmut-hille.de/dertunne.html


Helmut Hille
Was ist Leben?
15.06.2015
Sich selbst zu verstehen, heißt, sich als lebendiges Wesen zu verstehen. Von daher lautet die auch für den Philosophen wichtigste Frage: Was ist Leben? Sie ist das philosophische Universalproblem, in dem alle anderen Probleme wurzeln.

Gern wird das Leben anhand seiner Folgen beschrieben, wie Anpassung, Kreisläufe, Fortpflanzung, Zielstrebigkeit usw. Selbst Maturana kommt mit der "Autopoiese" über die Beschreibung des Phänomens "Lebens", als eines sich selbst reproduzierenden Prozesses, nicht hinaus. Heute versucht man, in der so beliebten reduktionistischen Sicht, uns weiß zu machen, das Leben wäre nur ein Zwischenstadium egoistischer Gene. Richtig am "egoistischen Gen" ist der Egoismus des Lebens, wenn dabei nicht übersehen wird, dass zum Überleben notwendig auch altruistische Verhaltensweisen gehören, z.B. zwischen Mutter und Kind oder in einer sich gegenseitig unterstützenden Gruppe. Was Leben ist, erkennt man m.E. am besten an den allereinfachsten Strukturen, am deutlichsten sogar an jenen, die Biologen nur ungern oder gar nicht als "Leben" akzeptieren möchten: an Viren und Prionen. Ihre Existenz belegt die Unzulänglichkeit der üblichen Auffassung von Leben, die sich an den für uns auffälligsten Lebenserscheinungen orientiert und die den eigentlichen brutalen Charakter von Leben nicht wahr haben will. Aber gerade Viren und BSE-Prionen demonstrieren ganz klar und ohne Schnörkel, was das Leben ausmacht: Leben ist die Fähigkeit einer materiellen Struktur, fremde Strukturen in die eigene zu verwandeln, letztlich mit dem Ziel, sich selbst zu reproduzieren, was die einzige Aufgabe von Lebewesen ist.

Diese aneignende Vorgehensweise des Lebendigen ist durchgehend: von den BSE-Prionen, die gesunden Prionen des Gehirns ihre Faltung aufdrängen, über die Assimilation der Nahrung zum Aufbau und zur Erhaltung des eigenen Körpers, über die Erzeugung von Nachkommen bis hin zu unserer Wahrnehmung und unserem Verständnis der Dinge.

Bei letzterem Vorgang werden fremde Erscheinungen - in Ermangelung eines objektiven Wissens - mit eigenen und weiteren vertrauten Eigenschaften belegt, worauf wir dann meinen, das Fremde zu verstehen. Das ganz selbstverständliche Aneignen des Fremden durchzieht auch die menschliche Geschichte, gipfelnd in der Kolonisierung fremder Völker, mit allen schrecklichen Folgen für sie und ihre Kultur. Und es hat eine übermächtig gewordene Menschheit das Umweltproblem beschert. Um die Schöpfung nicht bis zur Erschöpfung zu strapazieren, ist es für die globale Menschheit und Wirtschaft unabweisbar geworden, Nehmen und Geben wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, also unsere, sich den Planeten aneignende Strategie zu bedenken und die immer behauptete Angepasstheit des Lebens tatsächlich herzustellen. Die fast unausrottbare falsche Rede - vom Leben als einem Prozess der Anpassung -, verdeckt in fataler Weise die tatsächlich vorhandenen Defizite für ein dauerhaftes Überleben der Menschheit. Aber Leben ist kein Prozess der Anpassung sondern der Überwältigung.

Bei letzterem Vorgang werden fremde Erscheinungen - in Ermangelung eines objektiven Wissens - mit eigenen und weiteren vertrauten Eigenschaften belegt, worauf wir dann meinen, das Fremde zu verstehen. Das ganz selbstverständliche Aneignen des Fremden durchzieht auch die menschliche Geschichte, gipfelnd in der Kolonisierung fremder Völker, mit allen schrecklichen Folgen für sie und ihre Kultur. Und es hat eine übermächtig gewordene Menschheit das Umweltproblem beschert. Um die Schöpfung nicht bis zur Erschöpfung zu strapazieren, ist es für die globale Menschheit und Wirtschaft unabweisbar geworden, Nehmen und Geben wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, also unsere, sich den Planeten aneignende Strategie zu bedenken und die immer behauptete Angepasstheit des Lebens tatsächlich herzustellen. Die fast unausrottbare falsche Rede - vom Leben als einem Prozess der Anpassung -, verdeckt in fataler Weise die tatsächlich vorhandenen Defizite für ein dauerhaftes Überleben der Menschheit. Aber Leben ist kein Prozess der Anpassung sondern der Überwältigung. Nur das Ergebnis der Selektion sich verzweigender Arten erscheint dem Beobachter im Nachhinein, als hätten die Organismen sich angepasst. Auch hierbei schließt der Beobachter in Selbstreferenz, wie sonst auch, von sich auf andere, ist doch die Taktik des Anpassens die dem schlauen Beobachter eigene Strategie, weshalb sie ihm so plausibel erscheint. Rein phänomenal kann man zwar sagen, dass die Mimikry von Lebewesen ihre Anpassung an die Umgebung ist, um auf diese Weise einen Vorteil zu erlangen. Essentiell jedoch ist Mimikry die Überwältigung einer fremden Form zum eigenen Nutzen.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
III. Die Hervorbringung des Menschlichen
(III/2) Die Genese des Lebens und des Wissens
http://www.helmut-Hille.de/page25.html


Helmut Hille
Was ist Gesundheit?
15.07.2015
Das ist gewissermaßen eine Fortsetzung der vorausgehenden Sentenz "Was ist Leben?" Aids, BSE, Bakterienresistenz: Die Selektion der Unangepassteren findet zwar auch auf der Phänoebene also der Ebene Erscheinungen statt, aber auf der bisher viel zu wenig beachteten Ebene der Immunität ereignet sich der Kampf ums Überleben jeden Augenblick, und zwar ganz präzise. Der "Fittere" ist hier auf Dauer derjenige, der ein besser funktionierendes und breiter angelegtes Immunsystem hat. Nur er kann sich der Fähigkeit des Lebendigen, fremde Strukturen auf deren Kosten bedenkenlos in die eigene zu verwandeln, ausreichend erwehren. Aber wie man heute weiß, kann auch ein unterbeschäftigtes Immunsystem durch Auto-Immunreaktionen gefährlich werden. Wie alles in der Welt und wie im Leben selbst ist nichts statisch. Daraus ergibt sich eine allgemeine dynamische Definition von "Gesundheit": Gesundheit ist ein Zustand des Individuums, bei dem die de- und konstruktiven Kräfte im Gleichgewicht sind, sowohl die des Körpers, der Seele und des Geistes, als auch dieser drei untereinander.

Zum Gleichgewicht trägt auch die Variation des Erbguts durch die geschlechtliche Fortpflanzung bei, die es dem Körper ermöglicht, sich gegenüber Krankmachern mit kurzer Generationsdauer einen anderweitigen Vorteil zu verschaffen: der drohenden Anverwandlung der eigenen Ressourcen durch Bakterien, Viren und Parasiten mittels Selbstverwandlung durch Neukombination der Gene davonzueilen. Zusätzlich wird der Körper durch den doppelten Chromosomensatz der Eltern vor rezessiven (verdeckten) Gendefekten eines einzelnen Elternteils geschützt, weshalb die Natur gegen den Inzest ist, der sowohl positive wie auch negative Eigenschaften verstärkt. In einer feindlichen Welt sichern so Individualität verbunden mit genetischem Abstand das Überleben. Von ihnen aus ist auch die große Bedeutung der persönlichen Liebe zu verstehen, als die Wahl eines Partners mit möglichst gesundem Immunsystem, das vor allem Frauen am sympathischen Geruch erkennen, was sie aber aus dem gleichen Instinkt heraus selber gern wohlriechende Düfte benutzen lässt, um sich nicht zu verraten, weshalb die Nachkommenschaft evtl. doch nicht die gesündeste ist. Ganz allgemein signalisieren Attraktivität und Fitness den Zustand der Gesundheit eines Partners. Untersuchungen im Tierreich haben gezeigt, dass dies auch objektiv zutrifft: der Vogel mit den glänzenderen Federn und der kräftigeren Stimme ist eben auch der gesündere, was seine genetischen Anlagen betrifft. Artenvielfalt verbunden mit Artenbarrieren aller Art und die Individualität sind die wichtigsten Ergebnisse dieses Kampfes ums Überleben, mit der sich das Leben gegen seine eigene Aggressivität zu schützen versucht. Aber leider haben vor allem Viren, z.B. das Grippevirus, "gelernt", durch immer neue Änderungen ihres Erbguts, Barrieren zu unterlaufen.

Geistige Gesundheit ist die mentale Fähigkeit, mit den Situationen des Lebens in angemessener Weise umgehen zu können. Doch es gilt dabei zu bedenken: geistige "Wahrheiten" sind immer Wahrheiten aus zweiter Hand, weshalb es notwendig ist, immer wieder auf die Wahrheiten des Herzens und der Erfahrung zu hören, um sich nicht von Ideologien überwältigen zu lassen, die in ihrer Hybris schon viel zu viel Unheil über die Welt gebracht haben.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
III. Die Hervorbringung des Menschlichen
(III/2) Die Genese des Lebens und des Wissens
http://www.helmut-Hille.de/page25.html


Helmut Hille
Alles, was Sache ist
15.09.2015
Zum Überleben war es immer wichtig, sein Gegenüber zu verstehen, sei dieses etwas Belebtes oder Unbelebtes, von dem eine Gefahr ausgehen könnte, um auf sie rechtzeitig reagieren zu können, oder sei es eine Ressource, um sie erfolgreich nutzen zu können. So hat die Evolution im Menschen mehr und mehr ein Ursachendenken entwickelt, dass ihm einerseits das Überleben unter Bedrohung ermöglichte, andererseits ihm einen Sachverstand schenkte, aus dem letztlich die technischen Zivilisation hervorgegangen ist. Das Erkennen von Ursachen wird im Alltag dem instinktiven "gesunden Menschenverstand" zugerechnet, der unverzichtbar ist, auch wenn er manchmal zu kurz greift. Letzteres ist jedoch kein Grund, ihn zu verachten, wie manche Physiker es propagieren, um ihre nicht nur dem Publikum unverständlichen Thesen gerechtfertigt dastehen zu lassen.

Im Deutschen haben wir, neben zahlreichen anderen, die wunderbare Wortschöpfung "Ursache", wo eben eine Sache die Ur-Sache ihrer Folgen ist. Die Welt so zu sehen, ist auch heute noch nicht selbstverständlich. Wer Sachen/Dinge zu wenig versteht, sucht gern etwas hinter den Sachen/Dingen, was diese steuern würden, wie Gottes helfende Hand, oder wie der Pantheist Protagoras sagte: "Alles ist voller Götter", weil der Mensch in Analogie zu sich selbst das Bewirkende sich sehr oft nur in Form von etwas Lebendigen vorstellen kann. Wie nach religiöser Überzeugung Gott alles in seinem Sein erhält, so suchen Physiker in ihrer Teilchentheorie heute nach einer Macht hinter den Dingen, welchen ihnen ihre Trägheit, genannt "Masse", verleihen würde: das Higgsfeld, statt wie Newton in seiner "Principia" in Definition III einfach zu sagen, dass die physikalischen Körper ihre Trägheit "von sich aus" haben. In seinen berühmten Axiomen hat er diese These jedoch nicht wiederholt, um sich vor den Angriffen der Religiösen zu schützen, für die eine solche Annahme Gotteslästerung war. Das aus dem Higgsfeld im LHC in Cern mit sehr viel Energie herausgeschlagene Higgsboson wäre demnach ein "Gottesteilchen", das man Gott entrissen hat. Aber das ist eben nur die deterministische Interpretation des Sachverhalts, vor der schon Augustinus warnte: "Wer immer hinter die Dinge zu sehen versucht, sieht am Ende die Dinge selber nicht mehr." Sich zu getrauen wie Newton zu sagen, dass die Teilchen ihre Trägheit "von sich aus" haben, erledigte sofort das "letzte Problem" der Teilchenphysik, das vorurteilsfrei gesehen gar keines ist.

Neben der Ursache als Ur-Sache kennen wir noch die dazugehörigen Wörter "Sachverhalt" und "Sachverstand". Der Sachverständige vor Gericht muss dazu nicht im Besitz einer absoluten Wahrheit sein, weil das Gericht in seiner Weisheit eine solche nicht erwartet, sondern er muss mit dem letzten Stand der Erkenntnis vertraut sein, um sein Urteil abgeben zu können. Auch das Urteil als Ur-Teil ist so eine wunderbare Wortschöpfung, die zur Ur-Sache gehört. In meinem Philosophischen Wörterbuch heißt es dazu etwas umständlich: "Wenn es Bedingungen gibt, unter denen der Sachverhalt steht, so sind durch das Urteil diese Bedingungen ebenso kategorisch mitgesetzt." Aber weil eben Irren menschlich ist, gibt es auch Obergerichte, bei denen man in Berufung gehen bzw. Revision einlegen kann.

Ein weiteres wunderbares Wort im Deutschen ist "selbstverständlich", das als Stichwort leider in keinem Philosophischen Wörterbuch zu finden ist. Für mich ist es jedoch ein Schlüsselwort, denn es gibt kein tieferes und sicheres Wissen, als das, was sich von selbst versteht, wie z.B. dass 1 + 1 = 2 ist. Auf solchen Selbstverständlichkeiten beruht unser Verstehen der Welt. Sie sind unser geistiges Fundament! Wenn wir das verstehen, werden wir uns als rationale Wesen selbst-verständlich. Darum muss es doch gehen!

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
I. Rationale Grundlagen der Physik
(I/A2) Prinzipien und Axiome
http://www.helmut-hille.de/diemetho.html#7


Helmut Hille
Sprachvergessenheit als Problem
15.11.2015
Jede Forschung ist sehr teuer geworden. Öffentliche und private Geldgeber erwarten von den Forschern daher baldige und verwertbare Resultate. Da hat es eine ungerichtete Grundlagenforschung schwer, bei Ihnen Verständnis zu finden. Deshalb müssen Wissenschaftler und ihre Organisationen immer wieder um dieses werben. Sie selbst aber übersehen oft, dass aller Forschung die Klärung der Begriffe vorausgehen muss, denn sonst weiß man evtl. gar nicht, von was man redet und worüber man forscht. Der Philosoph Peter Janisch stellte in seinem Buch von 2009 "Kein neues Menschenbild. Zur Sprache der Hirnforschung" fest: "Sprachvergessenheit ist zum Kennzeichen der Naturwissenschaften geworden." Janischs Schlussfolgerung: "Sprachkritik ist die wichtigste Aufgabe, die die theoretische Philosophie heute übernehmen kann." Genau sie ist der Gegenstand meiner Arbeit.

Exemplarisch habe ich da vor allem die Sprache der Physiker im Visier, die sich zumeist keine Mühe geben Sein und Schein, Beobachter und Beobachtetes zu unterscheiden. Trotz der Erfolge der Quantenphysik sind viele Physiker unbewusst immer noch Anhänger eines Materialismus, "dem kritisches Nachdenken über Erkenntnismechanismen Verrat bedeutet" (Jacques Monod in "Zufall und Notwendigkeit"). Und wo das Geistige nicht geachtet wird, achtet man auch nicht auf die Sprache. So ist es bei ihnen üblich geworden, von geistig gesetzten Messgrößen wie von materiellen Objekten zu sprechen. Das aktuellste Beispiel dafür ist die teure Suche nach dem Masseteilchen Higgsboson am LHC in Cern bei Genf. Dabei ist die "Masse" das Maß der Trägheit, wenn auf ein Objekt eingewirkt wird. Es hätte in der Teilchentheorie völlig genügt mit Newton zu sagen, Körper haben ihre Trägheit "von sich aus", denn Materie ohne Trägheit ist eben keine, weshalb auch Neutrinos sie haben, wie man heute weiß.

Auch Zeit und Raum werden von den Physikern gern als materielle Objekte behandelt, "die beim Urknall entstanden" wären. Doch bei beiden handelt es sich um geistige Ordnungsmuster, die das Gehirn getrennt erfasst. Die Zeit ist dabei die Ordnung des Nacheinanders, die durch das Gedächtnis ermöglicht wird, der Raum ist die Ordnung des Neben-, Über- und Hintereinanders, wobei der räumliche Eindruck durch die Überlagerung der etwas unterschiedlicher Wahrnehmungen der beiden Augen bzw. Ohren entsteht.

Schlimm ist auch, dass metaphorische Redewendungen des Alltags kritiklos in die Wissenschaftssprache übernommen werden. Da wird nichteinmal zwischen unbelebten und belebten Körpern unterschieden. So sieht man auch astronomische Objekte wie Kühe auf der Weide "ruhen" oder "sich bewegen" und zieht daraus Folgerungen, obgleich die Objekte weder Ruhebedürfnisse noch Bewegungsorgane haben, um der Rede einen objektiven Sinn geben zu können. Unbelebtes beharrt einfach von sich aus in seinem Zustand bzw. versucht diesen zu erhalten, wenn es in Wechselwirkung steht. Was gibt es daran nicht zu verstehen?

Ebenso wenig trifft es zu, dass Uhren "die Zeit messen." Uhren geben nur Zeitpunkte der Dauer, so wie Metermaße Messpunkte der Distanz geben. Ein quantitatives Wissen entsteht erst, wenn ein Mensch die abgelesene Maßzahl mit der entsprechenden Messgröße, sowie den Gegenstand und den Sinn des jeweiligen Messens verbindet, ist also ein rein kognitiver Akt. Selbstblind versteht man hier nichteinmal, wer der Messende ist. Und überhaupt ist es für eine messende Wissenschaft fatal, wenn das Maß des Messens für den Gegenstand des Messens gehalten wird. Zudem misst man auch nicht Gegenstände, wie ebenfalls geglaubt wird, sondern immer nur Aspekte von ihnen, die Menschen sich selbst erarbeitet haben. So kann man z.B. eine Distanz messen, ohne dass es eine Sache "Distanz" gibt. Ebenso scheint die Geschwindigkeit eines Objekts immer nur zu dem Fixpunkt auf, den ein Messender (oft genug unbewusst) setzt. Eine Geschwindigkeitsangabe ohne einen solchen ist sinnlos. Weil es sich bei v um eine subjektive Größe handelt, hat sie Newton mit seiner Mathematik eliminiert und die Geschwindigkeitsdifferenz sehr erfolgreich als Ausweis einer objektiv einwirkenden Kraft behandelt (seine Dynamik), was heute leider so wenig verstanden wird.

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
I. Rationale Grundlagen der Physik
A. Wissenschaftstheorie
(I/A6) Messen als Erkenntnisakt
http://www.helmut-hille.de/messenal.html


Helmut Hille
Hier irrte Platon
15.12.2015
Wie Newton gelehrt hatte, verharrt jeder unbelebte Körper, wenn keine Kraft auf ihn einwirkt, von sich aus in dem Zustand, in dem er sich gerade befindet. Das Verharren ist sein objektiver Status, d. h. der Zustand, den er für sich selber hat. Tritt ein Beobachter hinzu, dann setzt er diesen Körper ganz automatisch in Relation zu einem von ihm als solchen angesehenen Fixpunkt, z.B. zur Erdoberfläche, wodurch er ihm, relativ zu diesem Fixpunkt, "ruhend" oder "bewegt" und in diesem Fall im Besitz einer Geschwindigkeit erscheint, wobei mit der "Ruhe" die Geschwindigkeit Null gemeint ist. Der naive Beobachter, der seine Wahrnehmung für objektiv hält, wird nun vielleicht versuchen, die Längsbewegung der Erde um die Sonne und ihre Geschwindigkeit am Körper selbst zu messen, da er ja die Bewegung für eine objektive Eigenschaft des als "bewegt" angesehenen Körpers hält. Aber was der Mensch auch unternimmt: das Ergebnis wird zwangsläufig immer "negativ" sein, weil der Bewegung - im Gegensatz zur Beschleunigung und Drehung - einfach der Status des Realen fehlt, weshalb sie sich nicht erweisen kann.

Während Platon mit seinem Höhlengleichnis plausibel machen wollte, dass wir nur die Schatten der wahren Ereignisse sehen - und die Ideen sollten das "wirklich Wahre", die "Urbilder" sein -, sehen wir tatsächlich, vor lauter "Ideen", die von den Sinnen registrierten Fakten nicht mehr, z. B. das bloße Verharren eines Körpers in seinem Zustand. In Ermangelung eines objektiven Wissens werden durch unsere kognitiven Strukturen und eingeübten Sehweisen Sinneseindrücke automatisch solange mit vertrauten Eigenschaften, Relationen und Bedeutungen aufgeladen, bis wir glauben, sie zu verstehen. Wenn Einstein feststellt: "The most unintelligible thing about the world is that it is intelligible", dann wundert er sich zu unrecht über die Verständlichkeit der Welt, sieht doch gerade jeder die Welt so, wie sie sich ihm aufgrund seiner Verständigkeit ergibt. Deshalb war ja Einstein die sich nicht erweisende aber vorausgesetzte Objektivität der Bewegung solange ein Problem, bis er die Idee hatte, sich den Nichterweis mit relativierenden Eigenheiten der Messmittel "zu erklären" - worauf die Welt ihm wieder klar und verständlich war. Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie der Mensch sich "seine" Welt an seinen geistigen Horizont anpasst.

Die klinische Forschung hat gezeigt, dass zu jeder externen Wahrnehmung 9- bis 10-mal soviel interne Datenmengen beigesteuert werden (Pöppel in arte). In einem mythologischen Umfeld und der richtigen Einsicht, dass nur Lebendiges zu echter Bewegung fähig ist, kann dann leicht - aus einer von Ost nach West "wandernden" Sonne - ein von Helios gelenkter, von prächtigen geflügelten Rössern über das Firmament gezogener Sonnenwagen werden, so wie Menschen aller Bildungsstufen heute in jeder ungewohnten Erscheinung am abendlichen Himmel, wenn das kritische Tagesbewusstsein schwindet, genauso gleich den "Beweis" für die Anwesenheit Außerirdischer in ihren fliegenden Karossen zu sehen vermeinen - bis auf die zeitgemäßeren PS hat sich also wenig geändert.

Das Bewusstsein hat es also immer schon mit einer von Erwartungen getragenen aneignenden Bewertung von Sinneseindrücken zu tun. Ebenso macht das Gehirn aus Luftschwingungen Laute, aus Lichtstrahlen Grautöne oder Farben, aus Molekülstrukturen Geschmacksrichtungen und Gerüche usw., da es nicht von außen determiniert werden kann, sondern von den eigenen Interpretationen und "Ideen" lebt. Wenn "etwas wahr-nehmen" heißt, etwas so zu nehmen, wie es in Wahrheit ist und nicht, wie es uns erscheint, dann gehört das von Ideen ungetrübte Wahrnehmen zu den größten Problemen der Menschen, da selbst jene, von denen wir objektive Aussagen erwarten, nämlich die Wissenschaftler, regelmäßig schon an der kaum noch einfacheren Aufgabe scheitern, einen verharrenden Zustand als solchen zu sehen - und das trotz Newtons richtiger und bewährter Vorgabe! - und sie ihn daher heute nur mittels gewaltiger Hilfsannahmen beschreiben können, z.B. durch Einsteins Relativitätstheorie, welche durch Transformationsgleichungen die gemessenen Werte in die erwarteten umrechnet, wobei die subjektive Größe Geschwindigkeit v letztlich herausgerechnet wird (ohne dass die Bedeutung dieser Rechenoperation verstanden wird!), so wie dies schon Newton mit seiner Mathematik tat, der wir die Dynamik verdanken, die immer gelten wird.
in ( ) nachträglich eingefügt

Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
III. Die Hervorbringung des Menschlichen
(III/3) Das Verstehen des Verstehens
http://www.helmut-hille.de/verstehen.html


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