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DPG Bonn 2020 – wissenschaftliches Programm
AGPhil: Arbeitsgruppe Philosophie der Physik
AGPhil 11: General Topics II
AGPhil 11.3: Vortrag
Freitag, 3. April 2020, 15:00–15:30, H-HS III

- Tagung wegen Coronavirus-Gefahr am 10. März 2020 abgesagt -


Abstract  (wie eingereicht und übernommen)

For a new world view of physics without metaphysics — •Helmut Hille — D-74081 Heilbronn, Fritz-Haber-Straße

It is a human viewing habit to understand separately seen objects as separately existing objects, although the system sun-earth-moon proves the opposite. None of these bodies would have its orbit without the other und there would be no tides on earth. Entangled quanta have shown that their common origin makes them behave as being one. The Big Bang is the origin of all matter in our cosmos; the matter wants to reunite in form of gravitation. This is another proof for the power of the invisible, which has to be accepted. As a way out, today, we search the invisible in the dark matter and in energy. However, the invisible which I am concerned about has no name. It is only the reverse side of the visible, which we capture by means of the gravitational constant. Thus, gravitation is a form of entanglement of all concerned matter and energy, which I call provisionally super entanglement. In connection with another three reasonable premises this results in a world view of physics which is rational and not metaphysical like the actual one.
(This abstract and the long text beginning "These 1 und 2" look
For a New World View of Physics in WAYS OF THINKING, also in german Für ein neues Weltbild der Physik in WEGE DES DENKENS.)


Für ein neues Weltbild der Physik ohne Metaphysik
Mein Vorschlag "was die Welt im Innersten zusammenhält"

Sehr verehrte Anwesende!
Einerseits prägt das physikalische Weltbild den Zeitgeist, andererseits gibt es den Rahmen vor, in dem gedacht und geforscht wird. Es kann also für die Zukunft der Forschung nichts Wichtigeres geben, als sich Rechenschaft über dieses Weltbild abzulegen. 175 Jahre Deutsche Physikalische Gesellschaft sollte daher nicht nur Anlass sein, stolz auf Erreichtes zurückzublicken, sondern auch Ansporn, sich zu überlegen, was noch verbessert werden könnte. Priorität hätte für mich, ein physikalische Weltbild, das auf einer rationalen Grundlage beruht, die ihr nämlich bis heute fehlt. Steven Weinberg dazu in seinem Buch "Dreams of a Final Theory": "das es nicht möglich ist, wissenschaftliche Denkweisen mit rationalen Argumenten zu begründen." Dass es doch möglich ist, möchte ich ihnen heute zeigen.

(in etwa Abstract in deutsch)
Es ist menschliche Sehgewohnheit, getrennt Gesehenes als definitiv getrennt Existierendes zu verstehen, obgleich schon das System Sonne-Erde-Mond das Gegenteil beweist. Keiner dieser Körper hätte ohne den anderen seine Bahn und es gäbe auf der Erde keine Gezeiten. Verschränkte Quanten haben gezeigt, dass ihr gemeinsamer Ursprung sie sich als Eines verhalten lassen. Ebenso ist der Big Bang der Ursprung aller Materie unseres Kosmos zu einer neuen immanenten Einheit, die sich in Form der Gravitation zusammenhalten möchte, während sie äußerlich gleichzeitig expandiert. Die Gravitation ist nur ein weiterer Beleg über die Macht des Unsichtbaren, die es endlich zu akzeptieren gilt. Heute sucht man als Ausweg das Unsichtbare in dunkler Materie und Energie. Aber das Unsichtbare, um das es mir geht, hat keinen Namen und ist kein Teilchen. Und Unsichtbares wie die Gravitation bildhaft "erklären" zu wollen ist völlig verfehlt. Es ist nur die Rückseite des Sichtbaren, die wir mit der Gravitationskonstante erfassen. So ist die Gravitation eine Form der Verschränkung aller betroffenen Materie und Energie, von mir provisorisch Superverschränkung genannt. In der Verbindung mit drei weiteren einsichtigen Prämissen ergibt sich ein Weltbild der Physik, das ein rationales ist und kein metaphysisches wie das jetzige, wo Gott nicht würfelt.

Versteckte Metaphysik (zum vorgegebenen Thema "Physik und Metaphysik")
Wo es auch nach fast 100 Jahren immer noch darum geht, Quantenphysik und Relativitätstheorie zu vereinen, geht es stets um den Erhalt des Weltbildes von Albert Einstein aus Gründen, die nicht thematisiert werden. Sind diese Gründe überhaupt physikalischer Natur? Dann müsste man sie doch nach so langer Zeit endlich gefunden haben. Oder handelt es sich hier vielleicht eher um Metaphysik, also um Gründe jenseits der Physik? Ich denke, es hat etwas mit Einsteins Autismus zu tun, von dem man zu Einsteins Lebzeiten praktisch noch nichts wusste, weshalb Einstein den Menschen und auch er sich selbst ein Rätsel war. Versteht man jedoch, was Autismus ausmacht, dann versteht man Einsteins Motive völlig zwanglos und sofort. Autisten haben gemeinsam, dass sie sich nicht in ihr Gegenüber hineinversetzen und deshalb deren Verhalten auch nicht intuitiv voraussehen zu können. Man nennt dies fehlende Empathie infolge fehlender Spiegelneuronen. Diese nicht zu überwindende Barriere ängstigt sie, weshalb sie sich wünschen ihr Gegenüber - seien es Menschen oder Dinge - bliebe am besten stets so wie man es zu kennen glaubt. Deshalb dachte sich Einstein z.B. einen Term aus, der den Kosmos in seinen Zustand halten sollte. Und die Quantenmechanik mit ihren Zufällen und Unschärfen mochte er gar nicht akzeptieren. Alles sollte berechenbar sein und Gott war für ihn dafür der Garant, auf den er sich immer wieder berief unter der bekannten Überzeugung "Gott würfelt nicht". Dabei ist gerade der Gottesbegriff das Synonym des ewig Schöpferischen, Einsteins These so ein Widerspruch in sich, die sich damit erledigt. Ein Gott, der nicht schöpferisch ist und Neues bewirke kann, ist eben keiner. Und die lange Suche der Einsteinfreunde nach den "versteckten Parametern" war die verschämte Suche nach Gottes lenkenden Händen. Schon Augustinus warnte: "Wer immer etwas hinter die Dinge zu sehen versucht, sieht am Ende die Dinge selber nicht mehr." Es ist nämlich die Suche nach "Erklärung" unverstandener Physik durch Metaphysik, über die jedoch nur spekuliert werden kann. Daher soll es hier um sie nicht gehen, sondern um ein rationales physikalisches Weltbild, das auf klaren, einsichtigen Prämissen beruht, die jedermann nachvollziehen kann.

- ab hier die 3 Absätze meiner Kernaussagen zum Weltbild -

These 1 und 2
Physikalisch beruht mein Weltbild auf 2 neuen Aussagen und auf 2 bekannten. Die neuen Aussagen sind 1. Die Unterscheidung von Universum und Kosmos. Unser Kosmos, aus einem gemeinsamen Ereignis hervorgegangen, ist möglicherweise nur einer von vielen in einem Universum ohne Grenzen in Raum und Zeit. Das würde seine Vergangenheit und seine Zukunft erklären. 2. Die Gravitation ist ein Phänomen der Verschränkung aller betroffenen Materie durch den sog. Urknall, durch den sie innerlich eines wurde, weshalb sie ständig versucht, sich wieder zu vereinen. Diese Verschränkung ist es, die die Welt im Innersten zusammenhält. In dieser Sicht ist die Gravitation ein weiterer Beweis des Urknalls, denn von nichts kommt nichts. Schon Aristoteles beschrieb die Gravitation als ein Streben der Körper nach ihren "natürlichen Ort". So wie verschränkte Teilchen über beliebige Entfernungen momentan aufeinander reagieren, so ist die Schwerkraft von Anfang an am Ort ihres Wirkens, muss weder zuvor etwas kunstvoll "biegen" noch irgendwo hineilen, was ja dann erst Fernwirkungen wären, die Einstein zu Recht ablehnte. Doch die Dinge sind sich nicht fern - wir sehen sie nur so. Das ist die Lösung des Rätsels! Also auch hier geht es um die Rolle des Beobachters, nämlich um seine Sehgewohnheit, die er sich bewusst machen muss. Bereits Newton sah keine Notwendigkeit eines Zeitfaktors für die Gravitation, schon weil er zu absurden Konsequenzen führt, wie ich noch ausführen werde.

Die Natur der Gravitation
Zur Unterscheidung von der Teilchenverschränkung habe ich die von mir hier gemeinte umfassendere Verschränkung provisorisch "Superverschränkung" genannt. Die erklärt also nicht die Teilchenverschränkung wie im Herbst 2019 in Freiburg von einem Einsteinfreund von mir gefordert wurde. Die sehe ich eher als Teil der Superverschränkung, wenn in ganz kleinen Dimensionen geforscht wird. Mein Vorschlag der Superverschränkung als die Natur der Gravitation ist eine Weiterführung der Quantenphysik, die man aus metaphysischen Gründen sich bisher nicht getraute zu Ende zu denken. Dabei ist das Doppelspaltexperiment als eines der wichtigsten Experimente in der Geschichte der Physik letztlich nur durch die Verschränkung aller Materie durch den Urknall zu verstehen, wie das inzwischen auch einige andere Autoren so sehen. Es gibt in dieser Sicht nicht nur kein Problem zwischen der Gravitation und den Teilchen, das die Physikergemeinde immer noch umtreibt - ganz im Gegenteil: erst die Quantenphysik macht uns die Gravitation und den Kosmos verständlich. Was kann man von einem physikalischen Weltbild heute mehr erwarten?

These 3 und 4
Außer den 2 bisher genannten neuen Gründen für ein neues Weltbild der Physik, ist 3. noch die konsequente Beachtung des bekannten Energieerhaltungssatzes unabdingbar, damit Physik Wissenschaft bleibt, sowie Newtons Gravitationsverständnis als 4. These. Aus dem Energieerhaltungssatz ergibt sich, dass unser Kosmos eine Vergangenheit und eine Zukunft haben muss. Deshalb meine Unterscheidung von Kosmos und Universum. Sie ist also zwingend. Und Newtons Gravitationsgleichung zeigt, dass das Verhältnis der Gravitationsstärke eines Körpers konstant zu der Menge seiner Materie ist, umgangssprachlich falsch "Masse" genannt ("Masse" = m ist ein Maß der Menge), was zu Recht Gravitationskonstante heißt und sich bestens bewährt hat. Die Schwerkraft kann also nicht "abgestrahlt" werden, wie man heute so leichtfüßig fabuliert, denn sonst gäbe es z.B. eines Tages absurderweise einen Kosmos voller Gravitationsenergie ohne zugehörige gravitierende Körper, was man zudem - trotz des hohen Alters unseres Kosmos - auch noch nirgends beobachtet hat. Ich finde es vernünftig davon auszugehen, dass der Kosmos, ob nah oder fern, ob auf der Erde oder im Weltraum durch seinen gemeinsamen Ursprung überall von gleicher Natur ist und halte es zudem mit Newton: hypotheses non fingo. Und sie braucht es auch nicht! Alles ist uns schon bestens bekannt - wir können es nur nicht glauben.
Nachträgliche Anmerkung: bereits nach Ockhams (ca. 1300-1350) "Rasiermesser" sind in der Wissenschaft alle nicht notwendigen Ansätze zu vermeiden.

Bestätigung und Einheit der Physik
Nach der Generalaussage, dass gerade erst die Quantenphysik uns die Gravitation und den Kosmos verständlich macht, ist der Zeitpunkt gekommen, nach dem Status meines hier vorgetragenen neuen Weltbilds der Physik zu fragen. Ist es nur reine Theorie was ich hier beschreibe? Dazu muss ich auf die Herbsttagung 2019 der DPG in Freiburg zurückkommen, wo mein Thema "Quantum Physics and Cosmology. The secured findings" lautete. Dazu hatte ich als Erster der Posterreihe FM 65 den Posterstand FM 65.1.* Auf dem benachbarten Posterstand FM 65.2 war das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR mit dem Forschungszentrum Oberpfaffenhofen bei München vertreten. Ich war also in guter Gesellschaft. Andreas Spörl von der DLR hat mir das Ergebnis der von ihm vertretenen Forschung anhand seines Posters erläutert, dass man festgestellt habe, dass "unten" bei den Quanten und "oben" beim Satellitenflug die Gesetze genau gleich seien, was sich mit meiner Feststellung deckt, dass "für den Kosmos und die Quanten die gleichen Gesetze gelten", wie es dazu bei mir heißt, womit die lange gesuchte Einheit der Physik wieder hergestellt ist. Theorie und Praxis waren also unabhängig voneinander zu dem gleichen Ergebnis gekommen und ich begann unsere Nachbarschaft zu verstehen - Sie auch? Ich hoffe, Ihnen den Aufgang einer ganz wunderbaren neuen, einheitlichen Sicht von Physik und Kosmologie vermittelt zu haben.
*s. den vorherigen Tagungsbeitrag (12)

sollte gegen Ende des Vortrags und zur Diskussion projiziert werden
 Zusammenfassung*
 These 1: Die Unterscheidung von Kosmos und Universum
 These 2: Die Gravitation als Verschränkungsphänomen
 These 3: Konsequente Beachtung des Energieerhaltungssatzes
 These 4: Die Gravitationskonstante weder variabel noch verlierbar

 Die Thesen 1 und 4 sind Konsequenzen der These 3 (Energieerhalt)
 These 2: Mein Vorschlag für ein vertieftes Verständnis von Gravitation,
 "daß ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält." (Goethe/Faust)

 Die Kosmen kommen und gehen, doch die Energie, das Universum bleibt. 

 Mehr zu erkennen gibt es nicht. Eine konsequente Kosmologie war die letzte große Lücke der Wissenschaft, 
 deren Ausfüllung die Einheit der Physik wieder herstellt, was stets das oberste Ziel sein muss.   Helmut Hille  

* "...das übrige sind Details" (Einstein)

Autor:
Helmut Hille, Heilbronn
FV DD, Mitglied der AG Phil
© Hille 2020


Zu allen Thesen muss nichts Neues entdeckt werden. Es genügt, die bekannten Phänomene richtig zu benennen. Auf diese Weise ergibt sich ein neues Weltbild der Physik ganz von selbst. Und ich denke, widerlegt werden kann es auch nicht.

Meine kosmologische Sicht sollte auch einem Namen haben. Wie wär es mit "das Dynamische Universum"? weil alle seine Teile durchgehend dynamisch sind.


Dokument: http://www.helmut-hille-philosophie.de/bonn2020.html